Es spielt keine Rolle ob ich Schimmel fresse,
bis der Schimmel mich frisst.
Es spielt keine Rolle vor was ich Angst habe,
bis die Angst mich hat.
Es spielt keine Rolle ob ich regelmäßig zur Schule gehe,
bis die Schule regelmäßig in mich geht.
Es spielt keine Rolle ob ich Geld von der Straße sammle,
bis das Geld mich von der Straße sammelt.
Es spielt keine Rolle ob ich gern Regen auffange,
bis der Regen mich auffängt.
Ich
Rolle
Ich Rolle
Ich rolle über Bretter die die Welt bedeuten
Und bin mir meines Rollens kaum bewusst
Ich zerfalle dabei und hebe auf die zerstreuten
Fetzen von stetiger Rotation beeinflusst.
Ich rolle so vor mich hin
Überschlage mich und mein Innenleben
Drehe mich gegen jeglichen Starrsinn
Ich!
Rolle!
Im Vorwärtsstreben!
Es spielt keine Rolle welche Aufgabe ich erfülle,
bis die Aufgabe mich erfüllt.
Es spielt keine Rolle welche Geschichten ich schreibe,
bis die Geschichte mich schreibt.
Es spielt keine Rolle wie ich den Tod bewerte,
bis der Tod mich bewertet.
Also welche Klauen,
die ich eben hier nur im Nebensatz erwähne
hängen mir eine Rolle an, bauen
auf mich, zwingen mich zu erkennen für was ich mich schäme:
Nämlich für eine Rolle auf Brettern die die Welt bedeuten
Bretter die noch nie ein Schauspiel scheuten
Bretter die mehr als eine provisorische Bühne mimen
Bretter die sich niemals ziemen
Jeden zu einem Protagonisten zu erklären
Bretter die uns kein Theater verwehren!
Hört ihr sie knarren?
Hört ihr sie knurren?
Wie sie Wege verscharren
Über uns Menschen murren
Weil wir feste auf ihnen trampeln
Manche noch zwischen Stühlen sitzen
In der Luft hängen und sich einen abstrampeln
Dabei kitschige Herzchen ins Holz ritzen.
Ich habe Angst nur einer Rolle gerecht werden zu müssen,
will mehrere inne haben,
nach außen tragen,
mit gutem Gewissen
sagen können:
Ich stehe im Rampenlicht
Ohne Anwesenheitspflicht.
Ich bin aus freien Stücken hier
Ganz freiwillig, wisst ihr?!
Mit Absicht
Steh ich jeden Morgen auf
Mit Verzicht
Nur einer Rolle gerecht zu werden.
Denn ich spiele die Rolle meines Lebens!
Ich spiele eine Rolle, wenn ich die Dunkelheit fürchte,
bis die Dunkelheit mich fürchtet.
Ich spiele eine Rolle, wenn ich meinem Freund klar machen, dass ich ihn liebe,
bis die Liebe mir meinen Freund klar macht.
Ich spiele eine Rolle, wenn ich ein selbst geschriebenes Lied singe,
bis das Lied mich selbst singt.
Dieser Rollenwechsel ist kein Maskentausch,
ich verliere meine Gesichter nicht,
ich besorge sie nicht in einem Kaufrausch,
jedes hat seine eigene Schicht.
Die Schokoladenseite
Wird verdeckt
Von der harten Breitseite
Die manchmal verreckt
Unter der Schattenseite
Die wurde entdeckt
Unter der Haaresbreite,
die meine Lieblingsseite
entfernt ist.
Wir sollten uns nur eingestehen,
dass wir die schizophrensten Geschöpfe auf Erden sind,
und das kein Vergehen
ist, bei jedem von uns der sich Menschenkind
nennt,
in der Leidenschaft brennt
ganz unbeteiligt im Mittelpunkt zu stehen
mit seiner individuellen Art und Weise.
Da zieht man unter den Wehen
Der Lebensfragen doch gerne seine Kreise
Und dreht sich und rollt,
bis die Rolle dich dreht.
Ich habe meine Rolle gefunden.
Klopapierrolle
Tausend Schichten
Und ein hohler Kern.
Dienstag, 22. September 2009
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