Freitag, 15. Oktober 2010

Vor 3, 4 Tagen ist mir Platon auf den Fuß getreten
und ich sagte: „Ey, mach nisch so!“

Doch clever wie er war,
verhedderte er mich gleich in seine Denke
und sagte: „ Das Wasser ist schuld!“
Mir war egal was er damit meinte:
„Was saggt deer?!“

Als wüsste er doch was er da redete,
kaufte er sich ein Erdbeereis.
Das ließ ihn für mich Mensch werden.
Vor allem, weil er den Eismann um 20 Cent-Euro beschiss.

Ich wollte es Platon nicht zu einfach machen,
aber er machte es sich selbst einfach,
also hatte ich keine Chance.
Wenn jemand einfache Dinge
in kurzen Sätzen schreibt,
kommen die einfach an,
egal ob man will oder nicht:
Im Niveau flexibel.
Deine Mutter kann nicht kochen.
„Facebook“ heißt „dein Gesicht verbuchen“ und zwar an einen fremden Avatar, dessen Besitzer glücklich ist, wenn sein Avatar glücklich ist, der –oh Schreck, oh Schreck- ein erfundenes Leben über seinen Besitzer preisgibt, dessen Arbeitgeber das glaubt und ihn aufgrund von Partybildern aus dem echten Leben aus dem Dienst entlässt, aber seinem Avatar verzeihen kann, weil er sonst die 300 an Freunden nicht voll machen könnte.
Angekommen?
Nö.

„Das Wasser ist schuld.“
„Das Wasser ist schuld.“
Bei kurzen Sätzen ist auch der Grund schnell egal.
„Das Wasser ist schuld.“
„Das Wasser ist schuld.“

Ich merke wie Platon mich ohrfeigt,
seine Denke hatte mich apathisch sabbern lassen
und meine Augen in den Schädel gedreht.
Und während dieses Zustands war mein einziger Gedanke:
„Es brechen dunkle Zeiten an.“
Platon ohrfeigte mich also.
Patsch, Patsch, Patsch.
„Nichts lebt ohne Wasser!“
Patsch, Patsch, Patsch.
Ich widersprach und empfiehl „The Big Lebowsky“.
Wasser gebe Leben und in allem Leben stecke etwas Göttliches.
Ich stimmte zu,
weil die Bäume mir manchmal mit Blättern Nachrichten auf den Bürgersteig schrieben
und sagte noch: „Platon, ich würde zum Beispiel nie an Diätkuchen auch nur denken, egal wie fett ich würde.
Auch ich habe Prinzipien, nicht nur du!!!!!:
Gott? Wasser?
Äh, Zusammenhang?

Wie kann die Ewigkeit Grund der Vergänglichkeit sein?
Wie kann die Idee Grund des Handelns sein?
Wie kann das Gedachte Grund des Erlebens sein?
Wie kann das Paradies Grund für menschliches Leben auf Erden sein?
Wie kann Vergangenes Grund für Vergänglichkeit sein?
Wie kann Gestern Grund für Heute sein?“

Danach sagte er noch einen Satz, der mich bis heute ohrfeigt:
„ Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun,
denn wann ist dein Kopf Grund genug für dein Herz?“

Ich hasste seine Denke, hätte ihm gerne göttliches Wasser in den V-Ausschnitt gekippt,
aber küsste ihm die Stirn
Das wirkt so beschützend.
Und man muss Platon beschützen.

Sein Eis war längst geschmolzen.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Herr Winkelmann

Manchmal, wenn die Uhr fünf vor Mitternacht sagt,
dann sitzt jemand am Klavier und spielt keinen Ton.
Manchmal, wenn ich meine Haare föhne,
macht jemand irgendwo „ööööh“,
aber ich kann ihn nicht vom Föhngeräusch unterscheiden.
Manchmal, so um den dreh rum, sitzt jemand in der Küche
stört den Radioempfang und zählt halblaut die Messer in der Schublade.

Dann denk ich,
da wohnt doch jemand in meinem toten Winkel,
ganz klar!

Immer wenn sich die Wäsche im Keller nicht allein aufhängt,
steht der tote Herr Winkelmann dicht hinter mir.
Ich such seinen Schatten.
Ich suche…
Und suche…
Mein Nacken fühlt sich plötzlich so blind an.
Herr Winkelmann trinkt gerne Sprudel.
Wenn ich mich anstrenge hör ich das Knistern sogar.
Und wenn er ungeschickt ist und sabbert,
läuft es mir kalt den Rücken runter.
Ich will ihn auf einen Kaffee einladen,
aber habe gleichzeitig die Angst,
dass da dann mehr draus werden könnte.

Manchmal fängt er an mich im Keller zu fesseln.
Herr Winkelmann ist Sadist.
Seine Macht über mich wächst mit jeder stillen Minute,
mit jeder dunklen Ecke.
Immer dann küsst mich der tote Herr Winkelmann fast,
würd’ ich nicht mit einem Schrei seine Stille zerstören.
Er hält sich die Ohren zu,
ich sprinte die Treppe hoch, in die Küche,
der Radioempfang zittert.
„Was willst du von mir??“, schrei ich.
Er macht sich klein und rutscht auf Knien durch den Raum.
Ich bewerfe ihn mit abgelaufenem Joghurt,
verfehlt, verfehlt, verfehlt.
Wie zur Hölle könnte man den toten Winkel NICHT verfehlen??
Wenn er sich wenigstens wehren würde!

„Hör auf nachts am Fenster zu stehen
und Rollläden zu reparieren.
Da kann ich nicht schlafen!!
Hör auf draußen vor meinem Haus zu hupen,
wenn du doch nicht wartest, bis ich aufgestanden bin
um nach dir zu schauen!!
Hör auf, auf dem Dachboden Twister zu spielen,
wenn du weißt, dass nur ich dich hören kann!!
Hör auf nach einem Horrorfilm mir den Nacken zu küssen.
Wir sind nicht zusammen!!!
Oder etwa doch?...

Hör auf im Herbst mit Blättern Drohungen auf den Bürgersteig zu schreiben!

Es gibt 2 wirksame Arten einen Feind loszuwerden.
Man heiratet ihn und fällt ihm dann in den Rücken
Oder man rennt so schnell man kann.
Ich überlege, dass das mit Herr Winkelmann eine komische Hochzeit wäre.
Er stände schräg hinter mir,
hauchte mir ein sadistisches „tu was ich dir sage“ ins Ohr
und in unserer Hochzeitsnacht wäre HINTEN auch das neue VORNE…
Wir würden uns nie sehen.

Wegrennen vor dir, verehrter, Herr Winkelmann,
das kann ich auch nicht.
Langsam gehörst du zu mir, wohnst da hinten
im toten Winkel, will dich nicht obdachlos machen.
Bist doch mein eigener kleiner Friedhof geworden,
da hinten, so ganz für dich allein.

Bei einer Verfolgungsjagd ist der Jäger
immer schneller als die Beute,
denn der hat sein Ziel vor Augen.
Aber ich, wo soll ich hin, wenn du mal nicht mehr bist?
Wie lang und unbeschwerlich wäre der Weg nach Hause,
hörte ich nicht deine Schritte immer mich verfolgend.
Du bist mein Anlauf...

Du, Herr Winkelmann, wir müssen reden…:

Du bist du ein bisschen narzisstisch,
da stimm ich dir zu.
Und du bist hässlich, nur ich sags dir nicht.
Das Hässliche ist manchmal die wahre Schönheit,
da stimm ich dir zu.
Aber eigentlich versteh ich nicht, was du damit meinst, aber sags dir nicht.
Man soll nicht glauben was man hört, sondern hören was man glaubt
da stimm ich dir zu.
Aber ich will nicht mehr an dich glauben, nur ich sags dir nicht.
Man muss nur leidenschaftlich genug suchen, dann findet man auch,
da stimm ich dir zu.
Aber du hinterlässt schon eine Blutspur vor lauter Leidenschaft, nur ich sags dir nicht.
Man soll die Welt hassen, weil sie so verdorben ist,
da stimm ich dir zu.
Aber ich hasse dich, weil du mich verdirbst, nur sag ich’s dir nicht.
Man kann nur jemanden hassen, den man mal abgöttisch geliebt hat,
da stimm ich dir zu,
aber eigentlich hab ich dich nie geliebt, sonder nur um dich gekümmert, aber ich sags dir nicht.
Der Schmerz ist besser als gar kein Gefühl,
da stimm ich dir zu.
Aber ich hab sogar heiden viele Spaßgefühle an einer Matschpfütze, nur ich sags dir nicht.
Liebe ist das wofür man am meisten leiden muss,
man findet nur Trost in dem der einen absolut liebt.

Und ich sag dir
Alle Sorgen die du mir auf einem Silbertablett bereitest,
bringen nichts.
Der nächste Tag wird für das seine sorgen.
Herr Winkelmann, du wirst den nächsten Tag nicht mehr erleben,
nur ich sags dir nich.

Und du setzt dich trotzig ans Klavier und spielst keinen Ton.



ACHTUNG ACHTUNG

Der aufstrebende Hass gegen Liebesgedichte
Nimmt eine neue Form an in der Geschichte!
Ihr fehlt das Fundament
Das Kompliment ,
und das Argument
dafür!
Tür
Und Tor stehen sperrangelweit offen,
doch worauf lässt sich hoffen?
Für einen Liebesbrief bräuchte man Papier,
selbst wenn, fehlten die Worte hier,
denn außer Übung scheint die Facebook –Bagage!
Lahmarsch neben Lahmarsch
Hocken sie die Liebespoesie aus,
bis es nicht mehr platter geht und sagen:
„Du ´s muss raus!
I <3 u!!!!“ [Ai herz u]
Zurück kommt Thx oder sonst ein Schmu.

Die Kunst die Angebetete zu besingen,
wagte einer mal in Sindelfingen,
und allein dass man den Ort des Begnadeten noch weiß,
zeigt, die Offenbahrung hatte ihren Preis!
Will auch dem Mittelalter nicht nachweinen,
doch steht das Gerüst der Anbetung noch auf den Beinen?
Jetzt wo die Ständegesellschaft weg ist,
könnt man’s doch mal mit freier Liebe versuchen!
Könnte ein Gelände buchen
Auf dem jeder jeden küsst.
Mist.
Das war auch schon mal da gewesen…

ACHTUNG ACHTUNG!
Ein aufstrebender Hass gegen Liebesgedichte
Zieht vors jüngste Gerichte,
und würden wir hier und heute die Guillotine hacken lassen,
liefe das Herzblut Salomos und Rilkes raus,
Goethes Anblick wäre sicher auch kein Augenschmaus,
so von Maden und Zweckbeziehungen zerfressen
und wäre es wohl vermessen
den Gryphius, mit einem Lappen aufgewischt
zum Kai Pflaume zu schleppen,
dort wird ihm ein saftiges Liebesvideo im Container aufgetischt
um ihn wieder auf zu päppeln.
Nein wie Herzzerreißend,
gebt mir Nadel und Faden!
Wir können das Problem
Nicht auf die leichte Schippe laden!
Ist es denn so schwer zu sagen
welchen Schnulz man fühlt?
In welchen Herzkammern man wühlt,
um Julia und Romeo zu übertreffen?
In welchen Launen man sich suhlt.
Buhlt Kinder, buhlt
Um euer Weib, eure dralle
Dorfschnalle!
Euer Mauerblümchen in Person,
eure Tante, Tussi, euer Früchtchen,
eure Schnecke, euren Klatschmohn,
eine Perle, nur die eine,
gebt mal alles! Auf die Beine!
Lasst was hören,
arrangiert euren Minnesang in Engels-Chören,
schreibt euch die Seele aus dem Leibe
und klebts eurer Liebe doch …auf die Frontscheibe.
Und wenn ihre Körperteile vor Liebe blind
Oder wegen dem Zettel,
verstreut vor dem nächsten geschlossenen Hertie sind,
ist sie wenigstens aus Liebe gestorben,
zwar aus deiner,
aber du hast sie umworben,
das kennt so keiner:


Ich würde Entfernung hassen, die sich dehnt wie Elastan,
bin unentwegt von dir angetan.

Will dich kennen lernen
und anfangen mit dir subtil die Welt zu regieren,
will sie uns zu eigen machen und pervertieren,
bis sie uns passt,
deine Hand mich anfasst
und ich weiß, alles hat seine Ordnung,
und alles hat unsere Ordnung.
Du bist mein ganzer Plan,
ich bin derbe von dir angetan.

wenn es das ist, was ich denke, ist es nicht das was du denkst.

Ich habe beschlossen nicht mehr zu warten,
sonst sind die Abende trostlos lang.
Nach dem schwedischen Kinderfilm auf KiKa
habe ich Bohnensalat und Frühlingsrollen gemacht,
auf dem Parkett gesessen und wegen der Trostlosigkeit geweint.
Nebenan spielen sie Trivial Persuit oder lauschen einer Dichterschlacht,
saufen sich die Hucke voll oder feiern den Freitag,
als sei er einmalig.
Für mich ist er nur einer von vielen
und ich will ihn nicht benutzen,
nicht ruchlos sein,
mein Gehirn nicht freischaufeln
für einen viel versprechenden Abend,
der einem nicht das bietet, was man gerne spüren würde.
Heute kann ich ihn nicht wertschätzen.
Es hat mich nur eine Geschichte heute zum zweiten Mal,
bei weiterem Begutachten in die Denkerstirn geschubst:
Ein 22 jähriger Mann sagt auf einem Camp zu einem 15 jährigen Jungen:
„Würde ich nicht an Gott glauben, dann hätte ich mich längst umgebracht.“
Das lässt den Jungen daran zweifeln,
ob er sein Leben überhaupt weiterführen soll,
denn sein Glaube besteht einzig und allein aus der Hoffnung
seinen Konfirmationsspruch nicht zu vergessen,
wenn er an der Reihe ist ihn auswendig aufzusagen.
Er überlegt wie viel die Welt denn wert sein kann
in all ihrer beschaulichen Pracht,
ob das alles Blendung ist,
ob er zu viel sieht und dabei zu wenig an etwas glaubt.
Ist es falsch an die Welt zu glauben?
Ist das nicht die pragmatischste Art zu glauben?
Ist es nicht die weltnahste Umsetzung der Nächstenliebe,
des wahren Lebens, der Reformation?
Der Junge fängt an zu überlegen, was die Welt ohne Gott ist.
Heißt das, sie ist dann seelenlos, ohne Innereien, bedeutungslos?
Oder fehlt ihr ohne Schöpfung und Kreuzigung
einfach nur der rechte Rahmen,
das rechte Licht in dem sie sich präsentieren könnte?

Sonntag, 18. Juli 2010

Tiramisu (ein Schwachsinns-Dialog)

- Ich geh mir jetzt ganz viel zu Essen holen.
- Das ist Völlerei!
- Völlerei? Ich dachte das heißt Völkerball?
- Apropos Völkerball. Ich muss mal wieder Rammstein hören!
- Sind das die die sich nackt auspeitschen oder warst du das?
- Sowohl als auch.
- Ihr zusammen?
- Gegenseitig.
- Romantisch!
- Einen Roman wär’s wert, stimmt.
- Du hast Ideen.
- Nein.
- Sag mal, bist du immer so pessimistisch?
- Nein, ich bin messimistisch.
- Du sammelst gern?
- Ja, auch Pilze.
- Trüffel?
- Hast du mich grade als Schwein bezeichnet?
- Nein, ich hab dich als Schwein gezeichnet.
- Du bist Künstler? Ich wusste, dass deine Lache nicht echt ist-
- „künstlich“ hat nichts mit „Künstler“ zu tun.
- Blutwurst hat auch nichts mit Leberwurst zu tun und trotzdem gibt’s Schlachtplatte.
- Lachplatte! Das Wort gibt’s nicht mal im Duden.
- Ist das die Mehrzahl von „Dude“?
- Denke nicht, dass nur Männer Wörterbücher benutzen dürfen.
- zu was benutzen?
- Zum Nachschlagen.
- Ich schlag auch immer hinterher noch mal zu. Sicher ist sicher.
- Ja, wen schlägst du nicht?
- Ich bin gut zu Vögeln!
- Wusst ich’s doch! Deine Ausstrahlung verrät dich sofort. Was ist dein Geheimnis?
- Ein wöchentliches Kotbad.
- mmmh, das muss gut tun. Auch ein optimales Peeling wenn du davor Müsli gegessen hast!
- Ich hab keine Lust mit dir darüber zu diskutieren!
- Du hast Recht, so ein Diskurs ist nichts Schönes.
- Was ist schon schön.
- Goldblättchen in deinem Kotbad?
- Das wäre kitschig.
- oder dekorativ.
- Findest du mich in Kot nicht dekorativ genug?
- spekulativ genug?
- genug. Geh jetzt!
- du bist der Boss.
- dann hab ich jetzt Lust zu shoppen.
- Au repartoir!
- Vielleicht ein kleines Baguette dazu…
- Wer solche inneren Dialoge führen kann, dem gebührt echt Ruhm.
- Na, pass auf dass du nicht betrunken wirst.
- Apropos Rum. Ich hätte Bock auf Tiramisu!
- Ist das eine Stadt in Italien? Der Begriff klingt vielschichtig…
- Nein, Tiramisu ist eine Floskel die ein alter Seefahrer erfunden hat. Auf seinen langen Reisen pflegte er es seiner Freundin Tira dieses Wort per Flaschenpost zu schicken, es steht für: "Tira, I miss you"
- Und das ganze nimmt ein dramatisches Ende muss man wissen! Der Seemann stirbt, weil die junge Tira sich an einer Kerze eine Zigarette anzündete...
- Ich kenn diese Geschichte aber anders...der Seemann schneidet sich an einem der vielen Flaschenpostzetteln und verblutet während er das Lied "Tira I miss you" schreibt…
- Das "I miss you" verschmiert und alles trocknet als großer Fleck der Gott sei Dank wie ein Herz aussieht. Aber da Blut wenn es trocknet braun wird, freut sie sich auch über ein Herz aus Scheiße.

Anämie

Es sind die, die ihre Handgelenke beschneiden,
um dem heiligen Schmerz zu huldigen,
deren Blutarmut sich dann zeigt,
wenn sie den Reichtum im Saft des Lebens finden wollen,
deren kleine Wunden übersehen werden
und so zu großen Wunden führen,
deren Augen weit offen sind,
in der Hoffnung auf den atheistischen Panoramablick,
die, die vergeblich die Nähe in der Ferne suchen,
denen ständig gepackte Koffer um die Beine schlackern,
dadurch heftig torkeln,
aber für andere so aussehen, als würden sie tanzen,
die, die bewundert werden für ihre Unbeständigkeit,
für ihre Spontaneität, für ihre Hurerei,
die vom Boden abheben, Highheels tragen,
die leise auf Zehenspitzen kleine Schritte machen
um ja nicht hinzufallen,
deren Füße schmerzen, ob der 2 Meter Fußmarsch,
deren Weg ein kurzer sein wird,
auf dem sie mit ihrem eigenen Echo zanken,
weil sie den Baum vor lauter Wald nicht sehen,
die, die dagegen laufen und sich unsauber das Genick brechen,
damit es ein Zweiter aufputzen muss,
die die Dreck hinterlassen,
Servietten fallen lassen,
ohne sich das Maul abgeputzt zu haben,
an dem der ganze Honig, den ein Dritter ihnen drum geschmiert hat, klebt,
und einen Vierten an sie bindet,
nur wegen eines harmlosen Kusses,
deren Liebe keine Ansprüche hat, keine Erwartung,
die es zu erfüllen gibt,
deren Küsse so harmlos sind, dass sie damit aufhören können,
wann es ihnen beliebt,
die, die nicht genug haben um es hingeben zu können
und deswegen auf dem Bisschen, dass sie haben,
sitzen bleiben,
deren Arsch ganz wund ist vor lauter Bequemlichkeit
und Two and a half men und How I met your mother und und und,
deren Bestreben die ewige Entspannung ist,
neben allen Zwängen sich wenigstens das Abschalten zu bewahren,
die, die abgeschaltet sind und nuscheln,
weil sie keinen Unterschied machen zwischen
„joa“ und „ja“,
die, die sprachlos sind vor lauter Ohnmacht,
weil sie zum Henker noch mal ihre Allmacht nicht finden,
deren Kreuz um den Hals ein Trendschmuck ist,
eine möglichst lange Kette,
damit sie über die pralle Brust baumelt,
damit sie möglichst weit weg vom Herzen ist,
damit sie möglichst leicht über den Kopf ausgezogen werden kann,
damit sie sich nicht gefangen fühlen,
die, die denken Freiheit bestände aus möglichst wenig äußerem Druck,
möglichst wenigen verbindlichen Versprechen,
möglichst wenigen Urteilen,
möglichst wenig Meinung,
möglichst wenig Hirn,
deren innere Leere sie zum weinen bringt
und sie in dem Moment nicht wissen warum sie traurig sind
und ihre Tränen nach Gin Tonic schmecken,
die, die man durchschauen kann, weil sie so leer sind,
manchmal braun vom Kaffee,
schwarz vom Qualm,
aber niemals bunt vor Echtheit,
die, die sich überlegen ob sie die Eierbecher lieber
in gebürstetem Metall oder glänzendem nehmen sollen,
deren Esstisch zu voll von Dekoration ist um Hungrige aufzunehmen,
deren Hände eher gefaltet sind als offen,
deren Welt eine einsame ist, in all ihrer Dogmatik,
die es verpasst haben sich die Füße zu waschen
als nur von der Reinheit zu schwafeln,
die, die Angst haben zu verderben, deshalb Duschzeug loben
aber sich am Wasser verschlucken,
denen es zur Nase wieder raus läuft
und sie sich für ihre Popel schämen,
die, die die Natur ausschließen um den Reiz am Tabu zu entdecken,
die betrügen, weil sie nicht verstehen,
dass Selbstjustiz immer Rache ist
und Rache immer zu Blutarmut führt,
nach der sie dann schauen,
indem sie ihre Handgelenke beschneiden.

Dienstag, 22. Juni 2010

Es geht um dich.

Es geht um dich,
du späte Nacht,
um den der lange
in dir wacht.
Du Wunder bist,
für Unbegriffene,
sich selbst Komplex
und Ungeschliffene,
für rohe Köpfe
und offene Hände,
Luxusgeschöpfe,
unberührtes Gelände.
Du bist die Ära
der Ungehaltenen,
die überquellen,
vielen Gewalten
die andere Wange
auch noch hin halten.
Späte Nacht,
schlägst in Gesichter
Dunkelheiten,
drohst mit toten Lichtern,
Schwarztönen die streiten,
bis der erste Vogel
den letzten wachen
Menschen erschreckt,
wirst du das machen,
was bloß keinen weckt
und Übriggebliebene
taumeln lässt,
zwischen Kotze und Liebe,
viel Strafe, wenig Hiebe,
sie dir aneignest,
einverleibst
in ihre Kammern treibst.
So ehrenwert
Auch deine Absichten
Sein mögen:
Ich weiß,
nie kann ein Dunkel
das andere Dunkel töten.
Also bin ich das Licht.
So ungewollt.
Es geht um dich,
du späte Nacht.