Donnerstag, 24. September 2009

Immer nur ich will, ich will, ich will...

Ich will um mich schlagen,
das Konservative am Kragen
packen, gegen Wände krachen,
die Wut entfachen,
deren Funken sich hier zeigen,
aber den Ausbruch vermeiden.

Ich will unter meinen Verhältnissen leben,
will dass mir mein Konsum vergeben
wird, will spüren was mich berührt,
will gestört
werden, um die Welt zu ertragen,
die mir heftigst auf den Magen
schlägt.
Will erschreckt
werden, will sehen
wie die Sonne unterm Strich verreckt
und ihr entgegengehen.

Ich will Autos vom Boden fressen,
damit man endlich diesen Metall-
Unfall
vergessen
kann. Ich will jedem so viel Mut
wie Demut
geben,
will die Unterwürfigen aufheben.
Ich will Menschen im Regen-
bogen wieder Leben
erkennen lassen,
dass sie ihn als Bund auffassen,
der uns daran erinnert,
was unsere Unachtsamkeit verschlimmert.

Ich will so viel laufen,
dass es hinterher nötig ist die Füße zu waschen,
man sie in Wasser ersaufen
muss, um die kleinen Blutkrusten zu überraschen.

Ich will mir den Arsch aufreißen,
um zu sehen wer alles reingekrochen ist.

Dienstag, 22. September 2009

Was spielt eine Rolle?

Es spielt keine Rolle ob ich Schimmel fresse,
bis der Schimmel mich frisst.
Es spielt keine Rolle vor was ich Angst habe,
bis die Angst mich hat.
Es spielt keine Rolle ob ich regelmäßig zur Schule gehe,
bis die Schule regelmäßig in mich geht.
Es spielt keine Rolle ob ich Geld von der Straße sammle,
bis das Geld mich von der Straße sammelt.
Es spielt keine Rolle ob ich gern Regen auffange,
bis der Regen mich auffängt.
Ich
Rolle
Ich Rolle
Ich rolle über Bretter die die Welt bedeuten
Und bin mir meines Rollens kaum bewusst
Ich zerfalle dabei und hebe auf die zerstreuten
Fetzen von stetiger Rotation beeinflusst.
Ich rolle so vor mich hin
Überschlage mich und mein Innenleben
Drehe mich gegen jeglichen Starrsinn
Ich!
Rolle!
Im Vorwärtsstreben!
Es spielt keine Rolle welche Aufgabe ich erfülle,
bis die Aufgabe mich erfüllt.
Es spielt keine Rolle welche Geschichten ich schreibe,
bis die Geschichte mich schreibt.
Es spielt keine Rolle wie ich den Tod bewerte,
bis der Tod mich bewertet.
Also welche Klauen,
die ich eben hier nur im Nebensatz erwähne
hängen mir eine Rolle an, bauen
auf mich, zwingen mich zu erkennen für was ich mich schäme:
Nämlich für eine Rolle auf Brettern die die Welt bedeuten
Bretter die noch nie ein Schauspiel scheuten
Bretter die mehr als eine provisorische Bühne mimen
Bretter die sich niemals ziemen
Jeden zu einem Protagonisten zu erklären
Bretter die uns kein Theater verwehren!
Hört ihr sie knarren?
Hört ihr sie knurren?
Wie sie Wege verscharren
Über uns Menschen murren
Weil wir feste auf ihnen trampeln
Manche noch zwischen Stühlen sitzen
In der Luft hängen und sich einen abstrampeln
Dabei kitschige Herzchen ins Holz ritzen.
Ich habe Angst nur einer Rolle gerecht werden zu müssen,
will mehrere inne haben,
nach außen tragen,
mit gutem Gewissen
sagen können:

Ich stehe im Rampenlicht
Ohne Anwesenheitspflicht.
Ich bin aus freien Stücken hier
Ganz freiwillig, wisst ihr?!
Mit Absicht
Steh ich jeden Morgen auf
Mit Verzicht
Nur einer Rolle gerecht zu werden.

Denn ich spiele die Rolle meines Lebens!

Ich spiele eine Rolle, wenn ich die Dunkelheit fürchte,
bis die Dunkelheit mich fürchtet.
Ich spiele eine Rolle, wenn ich meinem Freund klar machen, dass ich ihn liebe,
bis die Liebe mir meinen Freund klar macht.
Ich spiele eine Rolle, wenn ich ein selbst geschriebenes Lied singe,
bis das Lied mich selbst singt.

Dieser Rollenwechsel ist kein Maskentausch,
ich verliere meine Gesichter nicht,
ich besorge sie nicht in einem Kaufrausch,
jedes hat seine eigene Schicht.
Die Schokoladenseite
Wird verdeckt
Von der harten Breitseite
Die manchmal verreckt
Unter der Schattenseite
Die wurde entdeckt
Unter der Haaresbreite,
die meine Lieblingsseite
entfernt ist.

Wir sollten uns nur eingestehen,
dass wir die schizophrensten Geschöpfe auf Erden sind,
und das kein Vergehen
ist, bei jedem von uns der sich Menschenkind
nennt,
in der Leidenschaft brennt
ganz unbeteiligt im Mittelpunkt zu stehen
mit seiner individuellen Art und Weise.
Da zieht man unter den Wehen
Der Lebensfragen doch gerne seine Kreise
Und dreht sich und rollt,
bis die Rolle dich dreht.

Ich habe meine Rolle gefunden.
Klopapierrolle
Tausend Schichten
Und ein hohler Kern.

Dienstag, 15. September 2009

Post für den Tiger

Freund, wann kommt der Frühling?
So anfang September
hab ich ihn ganz nötig.

Vergeht dir nicht auch die Lust am Winter
ohne ihn gesehen zu haben?

Deine Finger flocken vor Kälte,
dein Herz schläft im Hohlraum unterm Dach,
dein Haar weht in der Heizungsluft
und deine Schritte liegen auf Eis.

Freund wann kommt dein Frühling?
So anfang September
hab ich dein Lachen ganz nötig.

Ich will dich auf Watte legen,
ein arrangierter Winter
nur für dich, auf Flusen,
darunter halte ich einen Föhn.

Viel heiße Luft sagst du
und hast dein Lachen nötig.
Ich seh's dir an.

Mein Freund, wann kommt unser Frühling?
Ich klopfe auf Holz.