Sonntag, 18. Juli 2010

Tiramisu (ein Schwachsinns-Dialog)

- Ich geh mir jetzt ganz viel zu Essen holen.
- Das ist Völlerei!
- Völlerei? Ich dachte das heißt Völkerball?
- Apropos Völkerball. Ich muss mal wieder Rammstein hören!
- Sind das die die sich nackt auspeitschen oder warst du das?
- Sowohl als auch.
- Ihr zusammen?
- Gegenseitig.
- Romantisch!
- Einen Roman wär’s wert, stimmt.
- Du hast Ideen.
- Nein.
- Sag mal, bist du immer so pessimistisch?
- Nein, ich bin messimistisch.
- Du sammelst gern?
- Ja, auch Pilze.
- Trüffel?
- Hast du mich grade als Schwein bezeichnet?
- Nein, ich hab dich als Schwein gezeichnet.
- Du bist Künstler? Ich wusste, dass deine Lache nicht echt ist-
- „künstlich“ hat nichts mit „Künstler“ zu tun.
- Blutwurst hat auch nichts mit Leberwurst zu tun und trotzdem gibt’s Schlachtplatte.
- Lachplatte! Das Wort gibt’s nicht mal im Duden.
- Ist das die Mehrzahl von „Dude“?
- Denke nicht, dass nur Männer Wörterbücher benutzen dürfen.
- zu was benutzen?
- Zum Nachschlagen.
- Ich schlag auch immer hinterher noch mal zu. Sicher ist sicher.
- Ja, wen schlägst du nicht?
- Ich bin gut zu Vögeln!
- Wusst ich’s doch! Deine Ausstrahlung verrät dich sofort. Was ist dein Geheimnis?
- Ein wöchentliches Kotbad.
- mmmh, das muss gut tun. Auch ein optimales Peeling wenn du davor Müsli gegessen hast!
- Ich hab keine Lust mit dir darüber zu diskutieren!
- Du hast Recht, so ein Diskurs ist nichts Schönes.
- Was ist schon schön.
- Goldblättchen in deinem Kotbad?
- Das wäre kitschig.
- oder dekorativ.
- Findest du mich in Kot nicht dekorativ genug?
- spekulativ genug?
- genug. Geh jetzt!
- du bist der Boss.
- dann hab ich jetzt Lust zu shoppen.
- Au repartoir!
- Vielleicht ein kleines Baguette dazu…
- Wer solche inneren Dialoge führen kann, dem gebührt echt Ruhm.
- Na, pass auf dass du nicht betrunken wirst.
- Apropos Rum. Ich hätte Bock auf Tiramisu!
- Ist das eine Stadt in Italien? Der Begriff klingt vielschichtig…
- Nein, Tiramisu ist eine Floskel die ein alter Seefahrer erfunden hat. Auf seinen langen Reisen pflegte er es seiner Freundin Tira dieses Wort per Flaschenpost zu schicken, es steht für: "Tira, I miss you"
- Und das ganze nimmt ein dramatisches Ende muss man wissen! Der Seemann stirbt, weil die junge Tira sich an einer Kerze eine Zigarette anzündete...
- Ich kenn diese Geschichte aber anders...der Seemann schneidet sich an einem der vielen Flaschenpostzetteln und verblutet während er das Lied "Tira I miss you" schreibt…
- Das "I miss you" verschmiert und alles trocknet als großer Fleck der Gott sei Dank wie ein Herz aussieht. Aber da Blut wenn es trocknet braun wird, freut sie sich auch über ein Herz aus Scheiße.

Anämie

Es sind die, die ihre Handgelenke beschneiden,
um dem heiligen Schmerz zu huldigen,
deren Blutarmut sich dann zeigt,
wenn sie den Reichtum im Saft des Lebens finden wollen,
deren kleine Wunden übersehen werden
und so zu großen Wunden führen,
deren Augen weit offen sind,
in der Hoffnung auf den atheistischen Panoramablick,
die, die vergeblich die Nähe in der Ferne suchen,
denen ständig gepackte Koffer um die Beine schlackern,
dadurch heftig torkeln,
aber für andere so aussehen, als würden sie tanzen,
die, die bewundert werden für ihre Unbeständigkeit,
für ihre Spontaneität, für ihre Hurerei,
die vom Boden abheben, Highheels tragen,
die leise auf Zehenspitzen kleine Schritte machen
um ja nicht hinzufallen,
deren Füße schmerzen, ob der 2 Meter Fußmarsch,
deren Weg ein kurzer sein wird,
auf dem sie mit ihrem eigenen Echo zanken,
weil sie den Baum vor lauter Wald nicht sehen,
die, die dagegen laufen und sich unsauber das Genick brechen,
damit es ein Zweiter aufputzen muss,
die die Dreck hinterlassen,
Servietten fallen lassen,
ohne sich das Maul abgeputzt zu haben,
an dem der ganze Honig, den ein Dritter ihnen drum geschmiert hat, klebt,
und einen Vierten an sie bindet,
nur wegen eines harmlosen Kusses,
deren Liebe keine Ansprüche hat, keine Erwartung,
die es zu erfüllen gibt,
deren Küsse so harmlos sind, dass sie damit aufhören können,
wann es ihnen beliebt,
die, die nicht genug haben um es hingeben zu können
und deswegen auf dem Bisschen, dass sie haben,
sitzen bleiben,
deren Arsch ganz wund ist vor lauter Bequemlichkeit
und Two and a half men und How I met your mother und und und,
deren Bestreben die ewige Entspannung ist,
neben allen Zwängen sich wenigstens das Abschalten zu bewahren,
die, die abgeschaltet sind und nuscheln,
weil sie keinen Unterschied machen zwischen
„joa“ und „ja“,
die, die sprachlos sind vor lauter Ohnmacht,
weil sie zum Henker noch mal ihre Allmacht nicht finden,
deren Kreuz um den Hals ein Trendschmuck ist,
eine möglichst lange Kette,
damit sie über die pralle Brust baumelt,
damit sie möglichst weit weg vom Herzen ist,
damit sie möglichst leicht über den Kopf ausgezogen werden kann,
damit sie sich nicht gefangen fühlen,
die, die denken Freiheit bestände aus möglichst wenig äußerem Druck,
möglichst wenigen verbindlichen Versprechen,
möglichst wenigen Urteilen,
möglichst wenig Meinung,
möglichst wenig Hirn,
deren innere Leere sie zum weinen bringt
und sie in dem Moment nicht wissen warum sie traurig sind
und ihre Tränen nach Gin Tonic schmecken,
die, die man durchschauen kann, weil sie so leer sind,
manchmal braun vom Kaffee,
schwarz vom Qualm,
aber niemals bunt vor Echtheit,
die, die sich überlegen ob sie die Eierbecher lieber
in gebürstetem Metall oder glänzendem nehmen sollen,
deren Esstisch zu voll von Dekoration ist um Hungrige aufzunehmen,
deren Hände eher gefaltet sind als offen,
deren Welt eine einsame ist, in all ihrer Dogmatik,
die es verpasst haben sich die Füße zu waschen
als nur von der Reinheit zu schwafeln,
die, die Angst haben zu verderben, deshalb Duschzeug loben
aber sich am Wasser verschlucken,
denen es zur Nase wieder raus läuft
und sie sich für ihre Popel schämen,
die, die die Natur ausschließen um den Reiz am Tabu zu entdecken,
die betrügen, weil sie nicht verstehen,
dass Selbstjustiz immer Rache ist
und Rache immer zu Blutarmut führt,
nach der sie dann schauen,
indem sie ihre Handgelenke beschneiden.