Es sind die, die ihre Handgelenke beschneiden,
um dem heiligen Schmerz zu huldigen,
deren Blutarmut sich dann zeigt,
wenn sie den Reichtum im Saft des Lebens finden wollen,
deren kleine Wunden übersehen werden
und so zu großen Wunden führen,
deren Augen weit offen sind,
in der Hoffnung auf den atheistischen Panoramablick,
die, die vergeblich die Nähe in der Ferne suchen,
denen ständig gepackte Koffer um die Beine schlackern,
dadurch heftig torkeln,
aber für andere so aussehen, als würden sie tanzen,
die, die bewundert werden für ihre Unbeständigkeit,
für ihre Spontaneität, für ihre Hurerei,
die vom Boden abheben, Highheels tragen,
die leise auf Zehenspitzen kleine Schritte machen
um ja nicht hinzufallen,
deren Füße schmerzen, ob der 2 Meter Fußmarsch,
deren Weg ein kurzer sein wird,
auf dem sie mit ihrem eigenen Echo zanken,
weil sie den Baum vor lauter Wald nicht sehen,
die, die dagegen laufen und sich unsauber das Genick brechen,
damit es ein Zweiter aufputzen muss,
die die Dreck hinterlassen,
Servietten fallen lassen,
ohne sich das Maul abgeputzt zu haben,
an dem der ganze Honig, den ein Dritter ihnen drum geschmiert hat, klebt,
und einen Vierten an sie bindet,
nur wegen eines harmlosen Kusses,
deren Liebe keine Ansprüche hat, keine Erwartung,
die es zu erfüllen gibt,
deren Küsse so harmlos sind, dass sie damit aufhören können,
wann es ihnen beliebt,
die, die nicht genug haben um es hingeben zu können
und deswegen auf dem Bisschen, dass sie haben,
sitzen bleiben,
deren Arsch ganz wund ist vor lauter Bequemlichkeit
und Two and a half men und How I met your mother und und und,
deren Bestreben die ewige Entspannung ist,
neben allen Zwängen sich wenigstens das Abschalten zu bewahren,
die, die abgeschaltet sind und nuscheln,
weil sie keinen Unterschied machen zwischen
„joa“ und „ja“,
die, die sprachlos sind vor lauter Ohnmacht,
weil sie zum Henker noch mal ihre Allmacht nicht finden,
deren Kreuz um den Hals ein Trendschmuck ist,
eine möglichst lange Kette,
damit sie über die pralle Brust baumelt,
damit sie möglichst weit weg vom Herzen ist,
damit sie möglichst leicht über den Kopf ausgezogen werden kann,
damit sie sich nicht gefangen fühlen,
die, die denken Freiheit bestände aus möglichst wenig äußerem Druck,
möglichst wenigen verbindlichen Versprechen,
möglichst wenigen Urteilen,
möglichst wenig Meinung,
möglichst wenig Hirn,
deren innere Leere sie zum weinen bringt
und sie in dem Moment nicht wissen warum sie traurig sind
und ihre Tränen nach Gin Tonic schmecken,
die, die man durchschauen kann, weil sie so leer sind,
manchmal braun vom Kaffee,
schwarz vom Qualm,
aber niemals bunt vor Echtheit,
die, die sich überlegen ob sie die Eierbecher lieber
in gebürstetem Metall oder glänzendem nehmen sollen,
deren Esstisch zu voll von Dekoration ist um Hungrige aufzunehmen,
deren Hände eher gefaltet sind als offen,
deren Welt eine einsame ist, in all ihrer Dogmatik,
die es verpasst haben sich die Füße zu waschen
als nur von der Reinheit zu schwafeln,
die, die Angst haben zu verderben, deshalb Duschzeug loben
aber sich am Wasser verschlucken,
denen es zur Nase wieder raus läuft
und sie sich für ihre Popel schämen,
die, die die Natur ausschließen um den Reiz am Tabu zu entdecken,
die betrügen, weil sie nicht verstehen,
dass Selbstjustiz immer Rache ist
und Rache immer zu Blutarmut führt,
nach der sie dann schauen,
indem sie ihre Handgelenke beschneiden.
Sonntag, 18. Juli 2010
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