Donnerstag, 5. November 2009

In Zukunft isst Holger sich selbst

Wenn da drinnen
nicht mehr ist,
rein gar nichts,
nur noch Vogelschiss,
dann muss da was rein.

Woher den Inhalt?
"Ich bin halt.",
sagt Holger.

Und in allem was er ist
stößt es ihn ab.
Holger läuft rückwärts,
das hält ihn auf Trapp.
Nichts liegt vor ihm,
außer ein Steak.
Nichts liegt in ihm,
außer dem Steak.

Denn alles was vor ihm liegt
schlägt ihm auf den Magen,
die Stunden die sich dehnen
platzen seinen Kragen.

"Allein sein
ist kein Sein...",
flüstert das Steak.
Holger rauft sich die Haare.
Wenn es bloß nicht vor ihm läg-
Er stolpert rückwärts,
das Fleisch -irgendwo- nur noch ein roter Fleck am Horizont.
Stolpert Treppen runter,
lässt das STück Fleisch vor sich liegen.
Der Weg zurück streicht die Wände bunter,
er hebt die Hände, um sich andersrum zu verabschieden.

Holger rennt, er rennt
ohne zu fallen.
Der Rückenwind brennt
nicht in seinen Augen,
seine Worte klingen wie das große Lallen,
grüßt die ihm unangenehm ähnliche Nachbarin
"ollaH annA!", streicht sich verlegen das Kinn,

Dann kommen die Häuser,
alles dreht sich um Holger,
Backsteingemäuer,
Passanten, keine Verfolger
ihm auf den Fersen mehr,
die Straßen gefegt leer.
Er biegt rückwärts in den Schweinestall.
Eine Zeitlang wirkt der wie ein Reinheitsfall,
wie er so erlebt daliegt...
...und Holgers ehemaliges Tierhüter-Dasein im Bauernbetrieb.

Er läuft wie auf Stelzen durch das Stroh,
atmet tief ein, merkt gleich was ihm droht.
"Ihr seid das Salz der Erde!",
riecht man hier zwischen den Tieren ganz deutlich.
Und wo ICH dabei sein werde
ist mir nicht gebräuchlich.

Ich bin der Soundtrack
von "Zurück in die Zukunft",
bin der Dreck
heruntergebrannter Kerzen meiner Vernunft.
Ich bin der Abschaun auf dem Magensaft
meiner verdauten Lebenskraft,
bin ein Vorfahre meiner selbst,
ich bin nach dem Sommer der Herbst.
Ich bin Kafka mit Vater auf Bordellbesuch.
Ich bin allerhöchstens ein Tagebuch.

Aber wenn da drinnen
nichts mehr ist,
rein gar nichts,
nur noch ein eiserner Schiss,
dann muss da was rein!

Denn alles was drinn ist
hinterlässt einen Furz.
Holger wälzt sich im Mist,
er braucht das kurz.

Die Frage ist, wer ihn überredet
den Schritt nach vorn zu machen,
denn wenn man sich rückwärts freut,
bleibts im Halse stecken das Lachen...
haha...h..a...ha...krg.
Er schluckts einfach runter
und grunzt dabei,
fühlt sich immer ungesunder,
es liegt im Magen wie Blei.

Festgetackter am Scheunenboden
sieht er die Schweine, die maroden,
ist ihnen gänzlich verbunden,
sieht ihre runden
Bäuche
voller Säuche.
Sie haben keine Zukunft,
leben vom Silo in den Mund.
Aber IHNEN macht es nichts aus...

Und woher ein Inhalt?
"Ich bin halt",
sagt Holger.
Fängt an vorwärts zu laufen,
schlachtet ein ihm unangenehm ähnliches Schwein,
ums morgen vom Bauern zu kaufen.

Dann sitzt er da in seiner Küche,
merkt dass er selbst vor sich liegt,
spürt sämtliche Brüche
die er im Arme wiegt.

Er ist die Sau,
die Sau ist er.
Das Steak soll ihn aufbaun,
doch das wär
wie Oralverkehr
mit sich selbst.

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