Manchmal möchte man einfach nur „Gut Nacht…“ sagen.
„Gute Nacht“-sagen heißt den Tag zu erwarten.
Ein „Gute Nacht“ ist die Floskel, die den Abend ignoriert,
den Abschied verhöhnt.
Dann schläft man mit der Sonne im Rücken auf dem Bauch ein.
Im Kreuz ist es schon wieder hell, wenn die Dunkelheit die Welt überfällt.
Manchmal möchte man einfach nur „Gut Nacht…“ sagen.
Denn niemand verläuft sich wenn er liegt
Und niemand verliert etwas im Bett.
Immer rauscht der Atem ins Kissen
Und immer ist man ein Mal allein.
In der guten Nacht gehört man nur sich selbst.
Sogar vor dem Mond, dem Repräsentanten, schließt man die Augen.
Das ist blanker Hohn, die Zeit vertrödeln,
bis der Tag einem Feuer unterm Hintern macht.
Aber manchmal möchte man einfach nur „Gut Nacht…“ sagen,
weil die Nacht nur die Hälfte des Ganzen ist,
und das „Guten Morgen“ die Bedingung des Schlafs.
Man sagt eigentlich: „Wir sehn’ uns“ oder „Du weißt was zu tun ist.“
Oder „Wenn du aufwachst bin ich immer noch da.“
Wie hilflos man ist im Schlaf.
Wenn das Herz den Geist aufgibt, gehört der Kopf der Erde.
Wie mächtig man ist im Schlaf.
Kein Fehltritt, obwohl die Zeit läuft.
Sich die Zeit nehmen und Uhren ignorieren.
Wenn man um 11 aufstehen muss, wacht man auch um 11 auf.
Manchmal möchte man einfach nur „Gut Nacht…“ sagen,
denn das heißt Happy End.
Und was sagt man dann wenn jemand tot ist?
Wo ist das gute Ende? Wo ist das „Gute Nacht“?
Ein letzter Atemzug im Kissen riecht nicht halb so gut, wie ein Nächster!
Ein Trödeln ohne Blut in den Adern ist nicht halb so verrückt,
das Alleinsein ohne dabei zu sein ist nicht halb so stolz.
Wenn jemand geht, lässt er eben die andere Hälfte zurück.
Den Morgen danach, den ersten Vogel, die volle Blase:
Jemand verliert sich im Bett.
Und ich sage „Gut Nacht…“,
weil ich will, dass er irgendwo wieder Aufwacht.
Dienstag, 8. Juni 2010
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