Dienstag, 8. Dezember 2009

Wir- Fass ohne Boden

Mensch, da haben wir ja ein ganz schönes Fass aufgemacht.
Und betrunken schunkeln wir nun voreinander hin und her,
wunken uns zu und dunken nicht viel,
sunken in offene Gespräche
als Halunken vieler Märchen.
Schämten uns und trunken und trunken,
lähmten uns und wunden uns
im eigenen Erbrechen.

Mal dringend offen sprechen, sagst du.
Und als ich längst abgewunken,
sprinkt dein Funken,
dein Wille auf mich über-

Offenes Verhältnis,
bis auf die Knochen.
Und wie wir uns so voreinander räkeln,
fangen wir bloß an uns zu bemäkeln.

Offene Worte,
die Münder bluten aus.
Und wie wir da so in der Blutlache sitzen,
sieht es aus, als würden wir Dornen schwitzen.

Offene Arme,
es geht grade so weiter.
Und wie wir so auf den anderen warten,
hat jeder für die Zweisamkeit schlechtere Karten.

Enemene MUH, mach dich ZU!
Das klingt ja wie ein Emo-Gedicht.
Jaja, ich verstehe mich ja selber nicht!
Das Schreiben ist meine Therapie,
Krisenplan udn Wortgewalt vis à vis.

Offene Augen,
sie fallen fast raus.
Und wie wir nur durch Blicke wagen,
fangen wir an uns gegenseitig zu entsagen.

Offene Bauchdecke,
die Schmetterlinge längst weg.
Und wie wir mager am Hungertuch nagen,
sind es unsre hohlen Hände die uns plagen.

Enemene MUH, mach dich ZU!
Das klingt ja wie ein Emo-Gedicht!
Jaja, ich weiß, aber das ist es nicht.
Ich hasse das Dunkel und meide das Sterben
und einen Emo kann man im H&M erwerben.
Aber meine Gefühle sind keinesfalls käuflich,
hab keine schwarze Seele, sie ist vielmehr...gräulich...

Mensch, da haben wir ja ein ganz schönes Fass aufgemacht.
Unsere Körper langsam zu Boden gesunken,
merken wir, wie unsere zweisamen Herzen stunken.
Beim anderen punkten war lange nicht mehr drin,
und das Spiel, das dabei entstunden,
will keiner von uns dulden.

Offen gesprochen, Versprochenes erbrochen,
frage ich: "Willst du auch ein Stückchen von meinem Magensäureröckchen?"
Er sagt: "Sehr gerne, mein kleines Kotzbröckchen!
Wir sitzen in einem Fass ohne Boden...
...wir können so viel Kotze fressen, wie wir roden!"
"Das ist ja das Paradies auf Erden!!",rufe ich.
Ja wie in Garten Eden,
der super duper Farm der Dachschäden!
Überall offene Verhältnisse, Fässer ohne Boden,
Erwürgtes an Stauden und Dosenkohl-Methoden!

Und wie wir uns so betrunken auf der dunklen Straße zuwunken,
erfreut darüber uns nicht mehr ankotzen zu müssen,
prunkten in unseren Köpfen Erleichterungen.
Endlich können wir uns trennen
und müssen uns nicht regelmäßig in ein Fass ohne Boden tunken.

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