Sonntag, 27. Dezember 2009

oh, wie die Nachtigall mit Ignoranz mich straft

Liebe Arschloch-Nachtigall,
lang hast du nichts mehr von dir hören lassen
und dein Entfall
macht sich bemerkbar. Fang an dich zu hassen.

Denn was weg bleibt,
im Wechsel der Sonnen,
vom einen auf den anderen Tag,
ohne davon zu singen,
gehört gerupft.
Deine Federn in meinem Kissen,
deine Leber von Zähnen verrissen,
kein Tschiep Tschiep,
frag nich warum oder wie,
jetzt hör ich nur noch Run DMC.

Liebe Arschloch-Nachtigall,
dein Baum ist gefällt.
Ich habe Kleinholz aus ihm gemacht,
daraus Singvögel geschnitzt,
und egal wo du jetzt sein magst,
sind deine Kumpanen taub-stumme Gesellen.

Früher war ich dein lyrisches Ich
und du das Echo meiner Sehnsucht,
hieltest mich
Nächte lang wach in Stunden der Schreibwucht,
warst meiner Liebe so immanent,
uns verband eine Kraft, die sonst so niemand kennt.
Du Tier,
Melancholie meiner Gier!
Du Bier,
hieltest den Rausch immer aufrecht!

Liebe Arschloch-Nachtigall,
nach der Romantik warst du vergessen,
bis zu meiner Obhut, meinem Stall,
hättest fast einen Platz in der Lyrik der Gegenwart besessen!
Aber nach der Szene, die du vollbracht,
ja, Schicht im Schacht
mein Schätzchen!
Jetzt hör ich nur noch
-und ich weiß echt nicht warum oder wie-
jede Nacht Run DMC.

Bist du mit deinem Schwarm gezogen?
Hast mir deine Wehleidigkeit nur vorgelogen?
Warst doch der Inbegriff einer einsamen Nacht,
warst die unangezündete Ikea-Kerze der Leidenschaft,
warst der schönste Schattenschnitt im Vollmond,
du Arschloch-Nachtigall hattest dich echt gelohnt!
Bist du mit deinem Schwarm gezogen?
Gabs da jemanden anderen außer mir?
Sitzt du 3 Bäume weiter, mich betrogen
und bist für jemand anderen mitleidendes Tier?
Hast du dich vielleicht selbständig gemacht
und leitest Selbsthilfegruppen?
Wirst du dich angepasst haben
und als Konsum-Nachtigall entpuppen?!??!?!?

Du kannst nichts sagen, was mich aus meiner Schmach beförderte,
du bist weg, es war einmal dass ich dich hörte,
vielleicht wars Joseph von Eichendorff der dich verstörte
oder aufdringlich wurde, die vergötterte, zu sehr betörte!

Ist ja auch egal wann oder wie,
jedenfalls hör ich nur noch Run DMC.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Suizid

Diese eine Brücke führt über den Jordan,
ist gespickt mit Speck zwischen Teer,
sodass sie an zwei Sünden erinnert:
Rauchen und Fressen.
Unter der Brücke die Autos,
zwei Kilometer weiter ein Museum für diese.
Dort versteht niemand, dass Hässliches schön ist,
sie nennen es: Industrie-Schick.
Das klingt nach einer unheilbaren Krankheit.
So steigt Benzinluft hoch
und streichelt dem Speck um die Hüften
und dem Teer um die Lunge.
Griesgram hängt in den Wolken,
die auch fast platzen vor Zurückhaltung,
kein Wolkenbruch,
sie sehen gefährlich aus, gar schwärzlich,
wenn sie schlucken,
dann aber nich Wasser lassen.

Bis ihnen ein Messer durch die Lungen fährt
und alles aufatmet.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Zum Sterben schön

Du Moment bist zum Sterben schön.
Und das ist kein Widerspruch.

Nicht zum Sterben zu schön,
sondern eine herrliche Wucht
wohnt jedem Pixel inne.
Bist kein Bild für das man sterben möchte,
man gewinne
an Mut und brächte
sich des perfekten Endes,
dem großartigsten Abspann,
dem Ausspann & dem Umgang,
dem Abgang & dem Draufgang,
dem Aufgang & dem Übergang
halber einfach um.

Man kommt drauf
am Höhepunkt nicht mehr runter zu müssen,
verliert ganz oben auf
die Lust Füße zu küssen,
über Asphalt zu lecken,
Eckenstaub zu zwirbeln,
sich unter Schränken zu verstecken,
durch Erdgeschosse zu wirbeln.
Jetzt hoch hinaus!
An Wolken gekratzt,
den Vogel abgeschossen
& die Sonne geküsst,
scheint als habe man beschlossen
die Taube auf dem Dach zu sein,
dem Wind mal um die Ohren zu peitschen,
ja dem Donnerwetter allein
gesellschaft zu leisten.

Du Moment bist zum Sterben schön.
Und das ist kein Widerspruch!

Denn wenn man der Hoffnung nicht mehr bedarf,
ist das Sterben keine Schlucht,
eher ein Einvernehmen beider Parteien,
wenn sich Schönheit und Tod im Augenblick vereinen.
Dann liegst du einem in den Ohren,
und man sebst spitzt sie & spitzt,
doch du brichst nicht ab.
Scheinst zu höherem auserkoren,
lässt die Kirche im Dorf,
schwebst über der Stadt.

Oh Vollkommendster, du lähmst meine Glieder,
bist Engelschor, nein,
Komponist ihrer Lieder!
Und Wein,
ja Wein!
Süße Droge,
Kotzelachen,
sitzt auf der Empore,
wenn Menschen zu tausendfachen
ins Glase schaun
und sich durch den Boden
dem Ikea-Slogan
anvertraun.

Oh HErrlichster, streichelst meine Seele,
deine Hand aufs Herz,
bist die letzte Wehe
an einem Morgen im März,
die gebährt.
Dir bleibt keine Tür versperrt.
Trittst du erst ein,
trittst du richtig zu,
trittst auf und drauf,
bist Protagonist
des Moments ohne Hunger,
des Moments ohne Schlafmangel,
des Moments ohne jeglichen Kummer,
des Tickens ohne Zeitdruck,
der Mitternacht ohne Aberglaube,
des Klingelns zur Pause,
bist die lockerer Schraube
in Stuttgart 21,
die alles zum Einstürzen bringt.

Oh, wie der Tod um die Schönheit ringt,
ein Meisterwerk, ein Kampf der Giganten,
ein heiliger Krieg auf die Spitze getrieben,
kennt keine Gnade, keine Verwandten.

Er & Sie
Sie & Er
Bruder und Schweste
in einer Badewanne.

Du Moment bist zum Sterben schön.
Und das ist kein Gegensatz.

Samstag, 12. Dezember 2009

Der Mond hat sich erhangen

Der Mond hat sich erhangen,
die goldnen Sternlein bangen
am Himmel entstellt und karg.
Der Wald steht schwarz und leidet
und aus den Wiesen scheidet
der greiße Feldwebel, unschlagbar.

Wie ist die Welt ohn' Wille
und in des Dämmrungs Mülle
anschaulich und so gescholt',
als ein stiller Jammer,
wo ihr des Tages Drummer
entlarven udn vermessen sollt.

Seht ihr den Mond dort flehen?
Er ist nur halb am Abstehen
und ist noch wund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir famos entfachen,
weil unsre Augen sie nicht durchsehen.

Wir holzen Menschenkinder
mit Scheitel und Erfinder
und wissen gar nicht viel.
Wir gewinnen Luftgespinste
und buchen Femininste,
frommen Eiter vor dem Ziel.

Gott lass uns einen Keil bauen,
auf wicht'ges, vergängliches Grauen
der Ekelheit uns freu'n.
Lass uns grätig werden
und vor dir hier beschweren,
wie Kinder dumm und gefährlich sein.

Wolltest endlich unser Schämen
aus dieser Welt entnehmen
durch einen Brocken Brot.
Und als du uns benommen,
krass auf deinem Ross erklommen,
da sind wir mehr und du bist Schrott.

So legt euch denn ihr Sünder
in des Schrottes Waben nieder,
Gewalt liegt euch im Bauch.
Verschon uns, Gott, von Braven
in denen Hass und Hochmut schlafen,
und unsren blanken Nachbarn auch.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Wir- Fass ohne Boden

Mensch, da haben wir ja ein ganz schönes Fass aufgemacht.
Und betrunken schunkeln wir nun voreinander hin und her,
wunken uns zu und dunken nicht viel,
sunken in offene Gespräche
als Halunken vieler Märchen.
Schämten uns und trunken und trunken,
lähmten uns und wunden uns
im eigenen Erbrechen.

Mal dringend offen sprechen, sagst du.
Und als ich längst abgewunken,
sprinkt dein Funken,
dein Wille auf mich über-

Offenes Verhältnis,
bis auf die Knochen.
Und wie wir uns so voreinander räkeln,
fangen wir bloß an uns zu bemäkeln.

Offene Worte,
die Münder bluten aus.
Und wie wir da so in der Blutlache sitzen,
sieht es aus, als würden wir Dornen schwitzen.

Offene Arme,
es geht grade so weiter.
Und wie wir so auf den anderen warten,
hat jeder für die Zweisamkeit schlechtere Karten.

Enemene MUH, mach dich ZU!
Das klingt ja wie ein Emo-Gedicht.
Jaja, ich verstehe mich ja selber nicht!
Das Schreiben ist meine Therapie,
Krisenplan udn Wortgewalt vis à vis.

Offene Augen,
sie fallen fast raus.
Und wie wir nur durch Blicke wagen,
fangen wir an uns gegenseitig zu entsagen.

Offene Bauchdecke,
die Schmetterlinge längst weg.
Und wie wir mager am Hungertuch nagen,
sind es unsre hohlen Hände die uns plagen.

Enemene MUH, mach dich ZU!
Das klingt ja wie ein Emo-Gedicht!
Jaja, ich weiß, aber das ist es nicht.
Ich hasse das Dunkel und meide das Sterben
und einen Emo kann man im H&M erwerben.
Aber meine Gefühle sind keinesfalls käuflich,
hab keine schwarze Seele, sie ist vielmehr...gräulich...

Mensch, da haben wir ja ein ganz schönes Fass aufgemacht.
Unsere Körper langsam zu Boden gesunken,
merken wir, wie unsere zweisamen Herzen stunken.
Beim anderen punkten war lange nicht mehr drin,
und das Spiel, das dabei entstunden,
will keiner von uns dulden.

Offen gesprochen, Versprochenes erbrochen,
frage ich: "Willst du auch ein Stückchen von meinem Magensäureröckchen?"
Er sagt: "Sehr gerne, mein kleines Kotzbröckchen!
Wir sitzen in einem Fass ohne Boden...
...wir können so viel Kotze fressen, wie wir roden!"
"Das ist ja das Paradies auf Erden!!",rufe ich.
Ja wie in Garten Eden,
der super duper Farm der Dachschäden!
Überall offene Verhältnisse, Fässer ohne Boden,
Erwürgtes an Stauden und Dosenkohl-Methoden!

Und wie wir uns so betrunken auf der dunklen Straße zuwunken,
erfreut darüber uns nicht mehr ankotzen zu müssen,
prunkten in unseren Köpfen Erleichterungen.
Endlich können wir uns trennen
und müssen uns nicht regelmäßig in ein Fass ohne Boden tunken.