Montag, 13. Juli 2009

dröger Altenheimgeist

In den Tiefen deines Schaukelstuhls,
erzählst du vom Lachen und Vergessen.
Ich werde nur deinen Puls
messen.

Du sagst, sie hätten dir die Haare frisiert
und die Frisur hält
2 Tage und ob es mir gefällt.
Ich gebe dir dein Huhn nur püriert.

Du fragst nach deinem Mann,
ob er vielleicht endlich aus dem Krieg
wiederkommen kann.
Ich schweig.

Du willst meine Hand nehmen,
bist langsam müde.
Ich kann mich nicht zu dir lehnen,
denn ich bin unnahbar, prüde
und erschrocken
über deine trocken
gelegte Haut,
die Falten so hoch wie Häuser baut.
Und laut
deinen Worten
liegt dir nichts mehr verborgen
im Leben.
Was kann ich Menschenkind dir also geben?
Du weißt meinen Namen nicht mehr,
aber kennst mich irgendwoher.
Verlegen tupfe ich deine Essensreste
von deiner Weste
und aus den spröden Mundwinkeln.

Du müsstest pinkeln
und sagst mir von Angesicht zu Angesicht
ohne meine Hilfe könntest du nicht.
Mit Gummihandschuhen tue ich nur meine Pflicht

Du betonst, dass deine Haare noch zerzaust
vom schlimmen, schlimmen Holocaust
und wärst so liebend gern mal wieder schick.
Ich kämme die 3 Haare und weine über den Augenblick,
der meine Fremdheit dir gegenüber wegbläst.
Liebe uralte Frau, wenn du mich nur mit wachen Augen sähst.

Was mich eigentlich nur ängstigt,
ist dein zweites Mal Kindsein,
dass so unbedarft in todesnahen Ketten festliegt,
eingemauert im Altenheim.

Als ich merke wie traurig mich das macht,
überleg ich wie traurig dich das machen könnte,
wenn keiner mehr mit dir lacht,
wo man dir früher Lebensfreude gönnte.

Ich streife die Gummihandschuhe ab,
nehme dich in den Arm,
lege das Gefühl für Vergänglichkeit, dass mich umgab
in dein püriertes Huhn
und werde immun
gegen mein eigenes Mitleid.

Dann steck ich dich in dein schickstes Sommerkleid.

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